Bilder von links nach rechts:

    Platon, 428 - 348 v.Chr.
    Thomas v. Aquin, 1225 - 1274
    Martin Luther King, 1929 - 1968
    Shirin Ebadi, geb. 1947

Krisenrhetorik

»Ich wäre in New York mit einer Concorde einmal fast explodiert«, berichtet Karl Lagerfeld«. Die war schon gelandet, aber auf der Rollbahn stand noch ein anderes Flugzeug. Das war praktisch das Ende. Die Leute um mich herum wurden hysterisch. Meine Nachbarin hat mir den Jackenärmel herausgerissen. Aber ich blieb ganz ruhig. Mir war es egal. Seither weiß ich, dass ich keine Todesangst habe. Ich fühle mich wie die Herzogin von Berry, die mit ihrem Mann in der Kutsche saß und, als die Pferde scheuten, die Unterhaltung seelenruhig weiterführte. Als der Herzog sie fragte, ob sie nichts sehe, dass sie sich in Todesgefahr befänden, sagte sie: Ich bin nicht der Kutscher. Das finde ich eine tolle Antwort ...«

Da fragt Sohn fragt seinen Vater, was ein Restrisiko ist. Antwort: »Ein Restrisiko ist das Risiko, das uns den Rest gibt«. Der Witz enthüllt die bittere Wahrheit, dass man angesichts eines Unglücks oder einer Katastrophe von einer Krise im medizinischen Sinne sprechen kann: In ihr entscheidet sich, ob der »Patient« stirbt oder gestärkt überlebt. Auf Unternehmen übertragen: In der Bewältigung von Katastrophen und vergleichbaren Ereignissen steht das Schicksal der Firma auf des Messers Schneide. Wobei die Öffentlichkeit Rechtfertigungs- und Verharmlosungsstrategien als das durchschaut, was sie sind: Die Flucht aus der Verantwortung, jedenfalls tendenziell.

Ob es eine Statistik gibt, an der man ablesen kann, wie oft Kraftfahrer bei einem Unfall Verletzten erste Hilfe leisten müssen, mag dahingestellt bleiben. Doch es darf vermutet werden, dass das ein höchst seltenes Ereignis ist. Dennoch verlangt der Gesetzgeber mit guten Gründen, dass sich Autofahrer auf den Fall der Fälle vorbereiten. In einer vergleichbaren Größenordnung bewegen sich Katastroppen- und Unfallszenarien, denen sich die Führungs- verantwortlichen in Firmen stellen müssen. Es gilt den Tatsachen ins Auge zu schauen und sich durch ein entsprechendes Training darauf vorzubereiten. Die Reaktion, auf Holz zu klopfen und zu sagen toi, toi, toi in der – womöglich trügerischen – Hoffnung, es wird schon nichts passieren, ist eher kurzsichtig. Murphys Gesetz »Was schief gehen kann, geht schief« hat eine nahezu naturwissenschaftliche exakte Dignität.

Martin Luther King

Die Rassenprobleme werden nie endgültig gelöst werden, solange die unterdrückten Menschen nicht fähig sind, ihre Feinde zu lieben.