Bilder von links nach rechts:

    Epiktet, 50-138
    Gottfried W. Leibniz, 1646-1716
    Arthur Schopenhauer, 1788-1860
    Alice Schwarzer geb. 1942

Das Überlebensprogramm

Andere sagen Stress. Für uns ist Stress eine gesunde und natürliche Alarmreaktion des Organismus. Die ist wissenschaftlich exakt beschreib- und messbar. Zuständig dafür sind Physiologie wie moderne Hirnforschung. Die Automatismen jener Alarmreaktion sind evolutionär gewachsen.

Wir sprechen lieber von einem Überlebensgramm. Zuständig dafür sind Physiologie wie moderne Hirnforschung. Die Automatismen jener Alarmreaktion sind evolutionär gewachsen.

Das ist evolutionär geprägt. Es ist Teil einer übergeordneten Überlebensstrategie, die auf den unterschiedlichsten Ebenen unseres Organismus wirkt. Man darf sich diese Überlebensstrategie wie ein Zusammenspiel unterschiedlicher Zahnräder vorstellen, die ein kompliziertes Uhrwerk am Laufen halten.

Stress als Überlebensprogramm bewirkt in unserem Körper, dass wir durch die Mobilisierung zusätzlicher Kräfte für Flucht oder Angriff fit gemacht werden. Doch, wie gesagt, den Begriff Stress halten wir für fragwürdig. Einmal, weil er ohne Trennschärfe inflationär verwendet und deshalb von immer mehr Zeitgenossen kritisch gesehen oder ganz abgelehnt wird. Da redet man von körperlichem, psychischem-, psychosozialem und emotionalem Stress, aber auch von Sozial- und Freizeitstress. Es scheint kaum ein Substantiv zu geben, dass man nicht mit Stress zusammensetzen könnte. Jeder sagt unter der schwammigen Überschrift, was er schon immer gesagt hat bzw. sagen wollte. Der andere Grund, weshalb wir den Begriff Stress kritisch sehen: Er wird sehr schnell mit Krankheit konnotiert oder assoziiert. Dieser Strickfehler begleitet ihn von Anfang an. Stress wird oft negativ verstanden. Dagegen spricht allerdings, dass evolutionär gesehen nur das Bestand hat und vererbt wird, was der Fitness dient und einen Überlebensvorteil verschafft. Müssten wir dennoch weiter von Stress reden, würden wir ihn grundsätzlich positiv verstehen.

Das uns angeborene Überlebensprogramm wird von unserem Gehirn als Alarmreaktion ausgelöst. Nach seinem Start läuft es automatisiert und jenseits unseres Bewusstseins wie in einer Blackbox ab. Dadurch wird unser Organismus in einen bestimmten Zustand versetzt. Was allerdings keineswegs heißt, dass wir nicht Einfluss auf das Programm gewinnen können. Sogar müssen, damit wir in der modernen Zivilisation mit ihren Herausforderungen überleben. Davon wird zu reden sein.

Epiktet

Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern die Ansichten, die wir von Ihnen haben.