Trauma & TraumabearbeitungZum Trauma-Begriff

Zum Trauma-Begriff

Definition Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, dtv, 1995

Trauma: Durch Gewalteinwirkung entstandene Verletzung, Wunde. Griech.  »Trauma - Verletzung, Verwundung, Wunde, Schaden, Niederlage«; wird im Sinne von »Verletzung, Wunde«, Bestandteil der lateinischen Wissenschaftssprache der Medizin. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begegnet der Ausdruck auch in dt. fachsprachlichen Texten und gilt danach in der Psychologie für seelische Erschütterung, Schock« (Freud, Ende 19. Jh.).

Definition nach Sigmund Freud:

Trauma ist ein Erlebnis, welches dem Seelenleben innerhalb kurzer Zeit einen so starken Reizzuwachs bringt, daß die Erledigung oder Aufarbeitung desselben in normal gewohnter Weise mißlingt, woraus dauerhaft Störungen resultieren. Freud verwendet den Ausdruck für schwere seelische Verletzungen, bei denen der Erinnerungszusammenhang zerschlagen wird.

Diagnoseschlüssel PTSD nach DSM III (Diagnoseschlüssel derVereinigung amerikanischer Psychiater), 1984

Die Person ist von einem Ereignis betroffen, das ausserhalb der üblichen menschlichen Erfahrung liegt und das bei den meisten Menschen erhebliche Belastungssymptome hervorrufen würde, z. B. Bedrohung des eigenen Lebens, Miterleben von Situationen, in denen die eigenen Kinder, der Ehepartner, Verwandte oder Freunde in Lebensgefahr sind, Zerstörung des Heims, Miterleben wie ein anderer Mensch verletzt oder getötet wird.

Die Erweiterte Definition DSM-IV, von 1996 (309.81)

A. Die Person wurde mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert, bei dem die beiden folgenden Kriterien vorhanden waren:

  1. Die Person erlebte, beobachtete oder war mit einem oder mehreren Ereignissen konfrontiert, die tatsächlichen oder drohenden Tod oder ernsthafte Verletzung oder eine Gefahr der körperlichen Unversehrtheit der eigenen Person oder anderer Personen beinhalteten.
  2. Die Reaktion der Person umfasste intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen.


B. Das traumatische Ereignis wird beharrlich auf mindestens eine der folgenden Weisen wiedererlebt:

  1. Wiederkehrende und eindringliche belastende Erinnerungen an das Ereignis, die Bilder, Gedanken oder Wahrnehmungen umfassen können.
  2. Wiederkehrende, belastende Träume von dem Ereignis.
  3. Handeln oder Fühlen, als ob das traumatische Ereignis wiederkehrt (beinhaltet das Gefühl, das Ereignis wiederzuerleben, Illusionen, Halluzinationen und dissoziative Flashback-Episoden, einschließlich solcher, die beim Aufwachen oder bei Intoxikationen auftreten).
  4. Intensive psychische Belastung bei der Konfrontation mit internalen oder externalen Hinweisreizen, die einen Aspekt des traumatischen Ereignisses symbolisieren oder an Aspekte desselben erinnern.
  5. Körperliche Reaktionen bei der Konfrontation mit internalen oder externalen Hinweisreizen, die einen Aspekt des traumatischen Ereignisses symbolisieren oder an Aspekte desselben erinnern.


C. Anhaltende Vermeidung von Reizen, die mit dem Trauma verbunden sind, oder eine Abflachung der allgemeinen Reagibilität (vor dem Trauma nicht vorhanden).

Mindestens drei der folgenden Symptome liegen vor:

  1. Bewusstes Vermeiden von Gedanken, Gefühlen oder Gesprächen, die mit dem Trauma in Verbindung stehen.
  2. Bewusstes Vermeiden von Aktivitäten, Orten oder Menschen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen.
  3. Unfähigkeit, einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern.
  4. Deutlich vermindertes Interesse oder verminderte Teilnahme an wichtigen Aktivitäten.
  5. Gefühl der Losgelöstheit und Fremdheit von anderen.
  6. Eingeschränkte Bandbreite des Affekts (z. B. Unfähigkeit, zärtliche Gefühle zu empfinden).
  7. Gefühl einer eingeschränkten Zukunft (z. B. erwartet nicht, Karriere, Ehe, Kinder oder normal langes Leben zu haben).


D. Anhaltende Symptome erhöhten Arousals (vor dem Trauma nicht vorhanden).

Mindestens zwei der folgenden Symptome liegen vor:

  1. Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen.
  2. Reizbarkeit oder Wutausbrüche.
  3. Konzentrationsschwierigkeiten.
  4. Übermäßige Wachsamkeit (Hypervigilanz).
  5. Übertriebene Schreckreaktionen.


E. Das Störungsbild (Symptome unter Kriterium B, C und D) dauert länger als 1 Monat.

F. Das Störungsbild verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

Bestimme, ob:

Akut: Wenn die Symptome weniger als 3 Monate andauern.

Chronisch: Wenn die Symptome mehr als 3 Monate andauern.

Bestimme, ob: Mit verzögertem Beginn: Wenn der Beginn der Symptome mindestens 6 Monate nach dem Belastungsfaktor liegt.

Hippokrates

Heiterkeit entlastet das Herz